TU Dortmund | Fakultät Raumplanung

KI in der Raumplanung ist angekommen: AESOP Task Force prägt den World Planning Schools Congress in Helsinki

Beim World Planning Schools Congress vom 30. Juni bis 3. Juli 2026 in Helsinki war Künstliche Intelligenz kein Randthema mehr, sondern eines der bestimmenden Motive des Programms – maßgeblich geprägt von der AESOP Task Force on AI and Planning, an der Prof. Thorsten Wiechmann federführend beteiligt ist.

Alle fünf Jahre kommen die Planungsschulen aller Weltregionen zum World Planning Schools Congress (WPSC) zusammen. Der diesjährige Kongress vom 30. Juni bis 3. Juli in Helsinki hat gezeigt, wie schnell sich die Agenda der Disziplin verschiebt: Künstliche Intelligenz ist von einem Spezialthema einzelner Technikaffiner zu einem Querschnittsthema geworden, das Planungspraxis, Forschung und Lehre gleichermaßen erfasst.

Sichtbarster Ausdruck dessen war die Arbeit der AESOP Task Force on AI and Planning, an der Prof. Dr. Thorsten Wiechmann (Fachgebiet ROP) seit einem Jahr federführend beteiligt ist. Gemeinsam mit der parallelen Task Force der amerikanischen Schwesterorganisation ACSP verantwortete sie in Helsinki insgesamt sieben Paper Sessions: vier Sitzungen der Special Session „AI and Planning Practice" sowie drei Sitzungen zu KI in der Planungsausbildung im Track „Education and Skills". Hinzu kamen Roundtables, unter anderem „How Can We Rethink Spatial Planning Practice in the Digital Age?" und „The AI shake. Opportunity or threat for urban systems?". Auch jenseits dieser Sitzungen war das Thema präsent – von KI-gestützter Auswertung von Beteiligungsverfahren über GeoAI und digitale Zwillinge bis zu Fragen von Ethik, Bias und Machtasymmetrien algorithmischer Systeme.

In Helsinki hat die Task Force auch die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter europäischen Planungsschulen vorgestellt, an der sich 65 Universitäten beteiligt haben. Der Befund ist ernüchternd: 72 Prozent der Schulen haben ihre Prüfungsformate wegen KI verändert – aber nur vier von 65 Schulen (6 Prozent) haben bisher ihr Curriculum substanziell angepasst. Die institutionelle Reaktion ist bislang also überwiegend defensiv statt strategisch, während der tatsächliche Einsatz von KI in Lehre und Verwaltung längst deutlich weiter ist, als es die Studienpläne abbilden. Zugleich formulierten die Befragten einen klaren Wunsch nach Orientierung: Sie erwarten von AESOP Weiterbildungsangebote und Leitlinien.

Genau hier setzt die Arbeitsplanung der Task Force an. Diskutiert wurden unter anderem eine kompakte Guidance zur Integration von KI in das Curriculum; ein „Atlas of Planning AI" zur Kartierung von KI-Initiativen an Planungsschulen; ein Repositorium für Good-Practice-Beispiele aus Lehre und Praxis; eine hochschulübergreifende Online-Vorlesungsreihe sowie ein Special Issue in der Zeitschrift Transactions. Ein KI-Workshop ist für das Frühjahr 2027 in Matera geplant. Rückenwind gibt es vom ExCo: Die neue AESOP-Präsidentin Karina Pallagst will KI und Planung zu einem strategischen Schwerpunkt ihrer Amtszeit machen.

Aus der Fakultät Raumplanung waren in Helsinki zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aktiv – zum KI-Themenfeld unter anderem Thorsten Wiechmann mit dem Beitrag „Responding to Artificial Intelligence in Planning Education: A European Overview" (gemeinsam mit Juliana Martins, UCL, und Paulo Silva, Universität Aveiro) sowie Frank Othengrafen und Lars Sievers mit „Beyond Data: The Role of Implicit Knowledge in AI-Supported Urban Decision-Making".

Foto: WPSC