TU Dortmund | Fakultät Raumplanung

Emscherumbau auf dem Prüfstand: Hochkarätig besetzter Expertenworkshop im DFG-Projekt TEMPUS

Am 22. Juni 2026 diskutierten 13 geladene Gäste – darunter ehemalige und amtierende Spitzen aus Emschergenossenschaft, Kommunen und Landespolitik – gemeinsam mit dem Projektteam auf der Hörder Burg, was den Emscherumbau als strategischen Transformationsprozess erklärt und warum sein Timing so gut passte.

Wie verändert sich eine regionale Strategie über vier Jahrzehnte – und warum gerade dann, wenn sie sich verändert? Diesen Fragen geht das von der DFG geförderte Projekt TEMPUS – Temporalität und strategische Planung am Fachgebiet Raumordnung und Planungstheorie (Prof. Dr. Thorsten Wiechmann, Benno Schroeder) gemeinsam mit dem IÖR Dresden (Dr. Gérard Hutter, Dr. Martin Schinagl) am Beispiel des Emscherumbaus nach. Auf Basis von über 300 Dokumenten, Experteninterviews und rund 450 identifizierten strategierelevanten Ereignissen hat die Projektgruppe eine vorläufige Prozessstruktur aus neun Strategieveränderungen abgeleitet.

Diese Zwischenergebnisse stellte das vierköpfige Projektteam am 22. Juni 2026 im Tagungszentrum Hörder Burg – in Sichtweite des Phoenixsees und damit an einem Ort, der selbst für den Strukturwandel steht – 13 geladenen Expertinnen und Experten zur Diskussion. Aus der Praxis waren dies Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft), Dr. Emanuel Grün (Technischer Vorstand a. D. der Emschergenossenschaft und Aufsichtsratsvorsitzender der Allmende Emscher-Lippe eG), Susanne Linnebach (Leiterin Mitglieder- und Fördermanagement, Emschergenossenschaft), Michael von der Mühlen (Staatssekretär a. D. und Stadtdirektor a. D.), Ullrich Sierau (Oberbürgermeister a. D. der Stadt Dortmund), Stefan Thabe (Beigeordneter der Stadt Herne) und Tana Petzinger (Referatsleiterin Regionalentwicklung, Regionalverband Ruhr). Aus der Wissenschaft beteiligten sich Prof. Dr. Rainer Danielzyk (Leibniz Universität Hannover), Prof. Dr. Heike Köckler (Hochschule Bochum), Dr. Michael Farrenkopf (Leiter montan.dok, Deutsches Bergbau-Museum Bochum), Prof. Dr. Deike Peters (Soka University of America) sowie aus unserer Fakultät Prof. Dr. Stefan Siedentop und Prof. Dr. Aude Zingraff-Hamed.

Aus der vierstündigen Diskussion nimmt das Projekt vor allem drei Befunde mit. Erstens ist der Emscherumbau weit mehr als ein Infrastrukturprojekt: Technische Umgestaltung, ökologische Erneuerung, Städtebau, politische Steuerung und kommunikative Rahmung greifen untrennbar ineinander. Zweitens waren nicht einzelne starke Persönlichkeiten der Erfolgsfaktor, sondern die Konstellationen, die ihr Handeln überhaupt ermöglichten – allen voran die institutionelle Stabilität und das gebührenbasierte Finanzierungsmodell der Emschergenossenschaft, die Kontinuität über Wahlperioden hinweg sicherten. Drittens entstehen Strategieveränderungen selten durch einzelne Beschlüsse; sie werden wirksam, wenn Problemdruck, politische Handlungsbereitschaft, fachliche Vorbereitung und institutionelle Kapazität zusammentreffen. Das Narrativ der „wieder blauen Emscher" schuf dabei Akzeptanz auch ohne breite Bürgerbeteiligung – ein Befund, den die Runde ausdrücklich als normativ reflexionsbedürftig markierte, ebenso wie den „celebratory bias" der Erfolgserzählung.

Für die weitere Projektarbeit heißt das: den regionalen Kontext stärker als erklärende Variable ernst nehmen, das Verhältnis der neun Strategieveränderungen zur Gesamtstrategie präziser bestimmen und Kontrastfälle prüfen. Von den Praxisvertreter:innen kam zudem ein klarer Wunsch: eine kompakte „Managementversion" der Ergebnisse für Planungs- und Verwaltungspraxis.

Kontakt: Prof. Dr. Thorsten Wiechmann, Benno Schroeder