TU Dortmund | Fakultät Raumplanung

Weg mit dem Asphalt, her mit der Wiese!

Bachelorstudierende der Planungskartographie erfassen Entsiegelungspotentiale in Hagen

Eine Hitzewelle rollt derzeit durch Europa. Bei täglichen Temperaturen jenseits der 30 Grad wird das (Über-)leben in dicht bebauten Städten schlagartig zu einer ganz konkreten Herausforderung, und für viele vulnerable Personengruppen sogar zu einer ernst zu nehmenden Gefahr. Lässt es sich in mancher Wohnung noch durch kühlende Maßnahmen aushalten, so trifft einen die Hitze beim Tritt vor die Haustür auf der Straße wie ein Schlag. Die tiefen Straßenschluchten der Stadt speichern die Hitze wie ein Ofen und lassen wenig Luftzirkulation zu, und kühlender Schatten durch Bäume ist oft spärlich gesät. Entsiegelte Flächen, Straßenbäume und Grünflächen machen hier einen spürbaren Unterschied.

Doch nicht nur Hitze macht unseren Städten zu schaffen, sondern auch das immer stärker auftretende Phänomen von plötzlichen und heftigen Regenfällen. Wo in einem Moment noch die Hitze stand, steht jetzt das Wasser. Doch so schnell wie das Wasser da ist, so schnell ist es oft auch schon wieder weg – es sei denn, die Wassermassen überfordern die Kanalisation und führen zu weiteren Schäden durch Überflutungen. Doch gerade das versickernde Wasser im Stadtraum würde auch an Hitzetagen für etwas Kühlung sorgen, wenn es denn dezentral in Straßenbegrünung, Plätzen, oder auch Parkplatzanlagen dem Boden zugeführt werden könnte. Diese Flächen sind jedoch häufig wasserundurchlässig versiegelt und beeinträchtigen somit die natürliche Funktion des Wasserkreislaufs auf das Grundwasser und auch die Bodenfruchtbarkeit.

Dies hat auch die Stadt Hagen erkannt, und hat gemeinsam mit den Studierenden und Lehrenden des Moduls Planungskartographie unter Prof. Thomas Hartmann und Dr. Gabriele Hartmann, Heinz Kobs und Brendan Eisenhut eine Erhebung der Entsiegelungspotentiale im Stadtraum am 17. Juni durchgeführt. Dabei wurden 1405 Standorte im öffentlichen und angrenzenden privaten Raum kartiert, welche aus Sicht der Studierenden geeignet wären als wasserdurchlässige Flächen einen Beitrag zu Ökosystemdienstleistungen zu erbringen. Mit diesen Informationen plant die Stadt Hagen ihr Klimaschutz- und Anpassungskonzept weiterzuentwickeln und die innerstädtischen Gebiete auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen vorzubereiten. Darüber hinaus besteht ein thematischer Bezug zum aktuell am Lehrstuhl BBV laufenden INTERREG Projekt RAINBOW, welches sich mit der Implementierung von Schwammstadtmaßnahmen auf öffentlichem und privatem Grund in Nordwesteuropa beschäftigt.

Die umfassende Erhebung, auf welche noch eine nachfolgende Diskussion und Bereinigung des Datensatzes folgt, zeigt einmal mehr die Relevanz der Planungskartographie, denn durch die gesammelten Kräfte und den geschulten Blick eines ganzen Kurses ließ sich in nur wenigen Stunden ein ganzer Stadtbereich erfassen und auswerten – eine Aufgabe, welche für Kommunen allein oft nicht möglich ist. Dadurch wird auch die Kooperation von Hochschule und Kommune hervorgehoben, da durch die Anwendung in der Praxis wertvolle Eindrücke zur Überprüfung der Theorie im Hörsaal entstehen und dabei gleichzeitig ein Mehrwehrt für die Allgemeinheit erbracht wird. Diese praxisnahe Lehre ist angesichts immer drängender Klimagefahren ein unverzichtbarer Teil der Ausbildung angehender Raumplaner:innen, und sorgt – wie die Stimmung vor Ort gezeigt hat – auch für eine gute Portion Spaß.