TU Dortmund | Fakultät Raumplanung

Entflechtung des Konzepts der Nachbarschaftsqualität in verschiedenen städtischen Kontexten

Dr. Seraphim Alvanides vom Fachgebiet RAM hat gemeinsam mit einem internationalen Team aus Australien und Großbritannien einen Artikel über die Bewertung der Nachbarschaftsqualität im Hinblick auf urbane Resilienz verfasst.

Es gibt inzwischen zahlreiche empirische Belege dafür, dass unser unmittelbares soziales und physisches Umfeld unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden beeinflusst. Die genauen Wirkungswege dieses kontextuellen Effekts auf Individuen sind aus theoretischer Sicht nicht immer klar, doch viele Studien kommen zu dem Schluss, dass das Wohnumfeld eine wichtige Rolle für unsere Lebensqualität spielt. Wohnumfelder sind jedoch komplexe Konstrukte, die eine ganze Reihe sozioökonomischer und physischer Merkmale umfassen, während keine Einigkeit darüber besteht, was genau ein Wohnumfeld ausmacht. Unser internationales Team erhielt von der Urban Studies Foundation Fördermittel für eine vergleichende Studie zur Bewertung der Nachbarschaftsqualität in Australien und Großbritannien. Der Artikel kombiniert verschiedene Attribute der Nachbarschaftsqualität auf einheitliche Weise für ausgewählte Stadtteile in zwei Städten: Sydney (Australien) und Newcastle upon Tyne (Großbritannien). Wir führen einen Nachbarschaftsqualitätsindex (NQI) ein, der auf einer Reihe von Kategorien basiert (städtisches Grün, Erreichbarkeit/Mobilität, Flächennutzung, sozioökonomischer Status) und die Daten- und Methodenkonsistenz zwischen den beiden Untersuchungsgebieten gewährleistet. Der NQI wird erstellt, indem die Daten skaliert/angepasst werden, um unterschiedliche Wichtigkeitsgrade und Unsicherheiten bei den verschiedenen Kriterien widerzuspiegeln, und indem verschiedene Alternativen im Vergleich zu idealen und nicht-idealen Lösungen bewertet werden. Um die relative Bedeutung der in den NQI einfließenden Indikatoren zu bewerten, führten wir zunächst eine Online-Expertenbefragung unter internationalen Fachleuten für Stadtgestaltung und Stadtplanung durch, die die von uns identifizierten verschiedenen Nachbarschaftsattribute einstuften. Durch die Erprobung unseres multidimensionalen NQI in zwei Städten zeigen wir eine verbesserte Transparenz und Robustheit im Vergleich zu früheren Methoden. Unser NQI basiert auf messbaren sozioökonomischen und ökologischen Attributen und bietet politischen Entscheidungsträgern ein praktisches Instrument, um begrenzte Ressourcen effektiver einzusetzen und die Qualität sowie die Resilienz von Stadtvierteln zu stärken.

Eine vorangegangene Veröffentlichung aus dem zugehörigen Projekt präsentiert eine systematische Literaturaufarbeitung verschiedener Merkmale, die die Nachbarschaftsqualität ausmachen und in begutachteten Publikationen (von 2010 bis 2022) beschrieben wurden. Unter Anwendung spezifischer Such- und Auswahlkriterien analysierten wir weltweit 86 Studien und identifizierten sechs Schlüsselmerkmale, die die Nachbarschaftsqualität ausmachen: Infrastruktur, Wohnraum, physische Umgebung, städtische Grün- und Wasserflächen, Erreichbarkeit/Mobilität sowie sozioökonomisches Umfeld. Unsere systematische Übersicht stellte Unklarheiten bei den Definitionen eines „Stadtviertels“ sowie eine große Bandbreite an Methoden und Instrumenten fest, die für die Datenerhebung und -analyse eingesetzt wurden. Wir kommen zu dem Schluss, dass weder ein Konsens über funktionale Definitionen von Stadtvierteln noch über Methoden und Messgrößen zur Bewertung der Merkmale der Nachbarschaftsqualität besteht, was sowohl für Forschende als auch für politische Entscheidungsträger eine Herausforderung darstellt.

Der Artikel ist wie folgt aufzufinden:

Ozbil Torun, A., Göçer, Ö., Alvanides, S., Ellis, J.C., Shrivastava, R., Gocer, K., Kent, J. (2026): An integrated assessment of neighbourhood quality to enhance urban resilience. Archnet-IJAR: International Journal of Architectural Research. DOI: 10.1108/ARCH-10-2025-0469

Förderung: Die hier vorgestellten Forschungsarbeiten wurden durch einen Forschungskostenzuschuss im Rahmen des Programms „Pandemics and Cities“ unterstützt, der von der Urban Studies Foundation an die University of Sydney (Australien) und die Northumbria University (Großbritannien) vergeben wurde. Fördernummer: USF-PCS-220104